Schreiben an alle Direktoren bayerischer Gymnasien
Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
wir sehen Sie selbstverständlich nicht als unsere Gegner. Sie sind nicht schuld an unserer Situation, sondern Sie wurden genauso ins kalte Wasser geworfen wie wir. Auch Sie sind konfrontiert mit vollgestopften Lehrplänen, viel zu großen Kursen und der Unsicherheit, wie denn nun die Anforderungen im Abitur sein werden. Sie müssen klarkommen mit drei Jahrgängen in der Oberstufe, schlechten räumlichen Verhältnissen etc. Wir sitzen im selben Boot und müssen die verfehlte Bildungspolitik ausbaden. Wir streiten somit auch für Ihre Interessen.
Wir wissen, dass Lehrer als Beamte genauso wenig streiken dürfen wie wir und für Sie wären die Folgen noch gravierender. Dennoch wäre es schön, wenn Sie uns zumindest moralisch den Rücken stärken würden. Wir sind gerne bereit, die versäumten Stunden nachzuholen, z.B. in Form einer Diskussion über die Vor- und Nachteile des G8.
Es geht uns nicht darum, einen Tag Unterricht ausfallen zu lassen. Wir streiken nicht um des Schwänzens willen, sondern wollen mit den Demonstrationen unserer Interessen artikulieren. Unsere Meinungsfreiheit beginnt nicht erst um 16 Uhr.



Montag 1. Februar 2010 um 18:50
Endlich passiert etwas an der Basis!
Danke für die Initiaive, danke, dass Ihr den Mut habt!!! Ich bin seit 25 Jahhren Grundschullehrerin (war immer mein Traumberuf) und musste zusehen wie sich in dieser Zeit die Bedingungen für das Lernen mit Kindern in den letzten 15 Jahren dramatisch verschlechtert haben. Mehr Stoff weniger Zeit – z.B. Englisch ist ja o.k. aber anstatt Deutsch doch nicht!
Den Kindern wird der Stoff wie ein Stück Brot hingeworfen: Friss oder stirb und die Eltern lernen – oft das Falsche -zuhause. Hausaufgaben werden zum Drama und Nachhilfeinstitute boomen.
Gebt uns mehr Unterrichtszeit,
gebt uns endlich die musischen Fächer als Musestunden zurück und gebt uns mehr Personal in die Schulen.
Es kann doch nicht sein, dass qualifizierte, hochmotivierte Referendare mangels Notendurchschnitt keine Anstellung kriegen und mit 27 Jahren für 1200€ in der Hausaufgabenbetreuung arbeiten.
Es muss sich was verändern!
Ich jedenfalls möchte mit Kindern lernen anstatt sie zu unter-richten, auch wenn ich Richter heiße, aber der Name steht für meinen Kampf um mehr Gerechtigkeit(=Chancengleichheit ) in der Schule.
Also DANKE an alle, die mitmachen.
D. Richter
Sonntag 7. Februar 2010 um 17:11
Meine These:
Wir brauchen sowohl ein G8 als auch ein G9!
Ich denke, dass es an der Zeit ist, nicht nur zu reden, sondern zu handeln, nicht mehr zu streiten, sondern gemeinsam nach sinnvollen Lösungen zu suchen, denn eigentlich wollen doch alle, Schüler, Lehrer, Eltern und Politiker, dass Kinder und Jugendliche eine gute Ausbildung für eine lebenswerte Zukunft erhalten.
Wer jetzt denkt, aha, das sind doch auch wieder nur schöne Worte, irrt: Es geht um euch, die Kinder und Jugendlichen, die unter der Last des G8 stöhnen, und mit Recht, wie ich tagtäglich sowohl als betroffene Lehrerin, aber noch mehr als Mutter mehrerer schulpflichtiger Kinder selbst ständig erfahre.
Es geht aber auch um eine gute Ausbildung, die unter der Turbo-Offensive des G8 erheblich leidet.
Daher ist es unumgänglich:
Wir brauchen sowohl ein G8 als auch ein G9!
Wie das gehen soll? Ganz einfach…
So etwas ähnliches gab es nämlich an bayerischen Gymnasien schon einmal – Schulen mit einer Wahlfreiheit – damals hieß es Kurz- und Langform – und war organisatorisch durchaus zu stemmen!
Was spräche dagegen:
- Die Eltern besprechen zusammen mit ihren Kindern, was sie gemeinsam für das beste zum Wohl ihres Kindes halten,
einen 8-jährigen Schulbesuch mit der Option eines dichteren Lernstoffs
oder einen einen 9-jährigen Schulbesuch mit der Option von weniger Nachmittagsunterricht und etwas weniger Stofffülle, da der Lehrplan hier ja nur in neun Jahren erfüllt werden muss.
- Sie melden ihr Kind mit dieser Festlegung am Gymnasium an und die Schule bildet, ähnlich wie bei der Zweigwahl je nach den Wünschen der Eltern die entsprechenden Klassen.
- Bei Problemen mit der Klassenbildung könnten ähnlich wie auch heute schon bei der Kurswahl der Oberstufe Kooperationen mit benachbarten Gymnasien gebildet werden oder die Eltern bekommen die Alternative, ihr Kind in einem nahe gelegenen anderen Gymnasium mit dem entsprechenden gewünschten Angebot anzumelden. Wer würde dies nicht gerne in Kauf nehmen?
- Der Lehrplan müsste nicht noch einmal geändert, sondern für das neue G9 nur anders, eben auf neun Jahre, verteilt werden.
- Beide Formen des Gymnasiums erfüllen sinnvoll ihren Zweck: Im 8-jährigen Gymnasium lernen die Schüler, die bereit sind, ein höheres Arbeitspensum mit dem Vorteil der Zeitersparnis zu leisten, im 9-jährigen Gymnasium werden diejenigen Schüler unterrichtet, die vielleicht etwas weniger geballt den Stoff vermittelt bekommen wollen, mehr Freizeit für musische oder sportliche Aktivitäten suchen.
- Beide Formen, G8 und G9, führen zum selben Abitur, also wäre hier keine weitere Belastung der Lehrer notwendig, auch die Organisation wäre einfach zu stemmen.
- Zu den Schulbüchern: Die G8-Bücher gibt es ja schon, welcher Verlag würde dann nicht das Geschäft wittern, diese Inhalte in neuen, leicht abgeänderten Fassungen, auch bei den G9-Büchern zu verwenden?
- Zur Einführung: Bei einem schnellen gemeinsamen Handeln aller Beteiligten zum Wohl der Kinder und Jugendlichen müsste es eigentlich möglich sein, die Eltern der jetzigen G8-Schüler, wie eben auch bei der Zweigwahl, im Frühjahr vor die Wahlfreiheit zu stellen: G8 ODER G9!
Diejenigen Schüler, die das G8 nach wie vor besuchen möchten, bleiben ohne großen Veränderungen in ihrer alten Form.
Diejenigen Schüler, die in das neue G9 wechseln möchten, besuchen ab Herbst 2010 eigene G9-Klassen, in denen sie den bisher erlernten Stoff vertiefen und sich dann etwas langsamer und ohne zusätzlichen Nachmittagsunterricht auf den weiteren Lehrplaninhalt, der bis zu diesem Zeitpunkt wohl sicher noch ohne größere Probleme auf diese Besonderheit abstimmen lassen würde, konzentrieren.
- Die neuen, positiv empfunden Arbeitsformen des G8, wie Intensivierungsstunden und Seminare bleiben in beiden Formen erhalten und die Anforderungen sinken nicht, wie vielfach besonders von den Lehrerverbänden befürchtet wird.
I have a dream!
Helft mit, damit aus dem Traum mehr wird…
Samstag 13. Februar 2010 um 14:07
Schon mit G9 waren unsere Schulen keine Schulen sondern Lehrplanvollzugsanstalten. Reformen bestanden immer nur in der Weiterperfektionierung des alten Stiefels. Es musste u.a. zu diesem G8 kommen, weil offenbar niemand mehr weißt, was das Wort SCHULE überhaupt bedeutet. Als Ich-kann-Schule-Lehrer benutze ich das HERKUNFTSWÖRTERBUCH. SCHOLAE kommt von griech. ECHEIN = HABEN. Wenn die alten Griechen so außer sich waren, dass sie sich zu verlieren drohten – wenn sie also nicht mehr alle (fünf Sinne beisammen) hatten – gönnten sie sich SCHOLAE: Innehalten, zu sich kommen, wieder mit sich eins werden. Wenn unsere heutigen Schulemacher soweit sind, dass man sagen muss: “Die haben sie nicht mehr alle”, dann kommen sie nicht zu sich sondern dann machen sie das, was sie da tun, noch besser, und das nennen sie dann eine Reform.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer hab ichs mit etwas, was früher als gesunder Menschenverstand allgemein bekannt war. Wenn Lehrer in der Woche 24 Stunden in die Schule gehen und Schüler 36, dann sagt das doch eine Menge nicht gerade Günstiges über diese Schule aus. Vor allem, dass das Grundprinzip dieser Schule DRUCK ist.
Druck ist aber kein Problemlöser. Druck drückt Probleme zusammen, das ist das Gegenteil von Lösung. Wenn man nicht mehr drücken kann, gehen sie wieder auseinander. Und wachsen um die Energie, die man hineingedrückt hat. Jeder kann das nachprüfen. Und seine Konsequenz daraus ziehen. Die neue Ich-kann-Schule bevorzugt das SOG-Prinzip und lässt sich was einfallen, was ZIEHT. Sog löst.
Nicht die äußere Form ist die Lösung sondern ein neuer Umgang mit der inneren WIRKlichkeit. Die sollten wir endlich GENAUer wahrnehmen lernen. Der Sinn der Kraftprobe kann nicht sein, die anderen kleinzukriegen; es geht darum, genauer hinschauen zu lernen und der Realität gerecht zu werden. Dafür wünsche ich guten Erfolg.
Franz Josef Neffe